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"Geschichten und Geschichtla"

 

Und die Moral von der Geschicht

Es war im Jahre 1933, an einem Sonntag im Frühling. Lokführer Vogel fuhr mit der 86 097 den Vormittagszug von Bad Steben nach Hof. Das Wetter war prächtig und die beiden auf der Maschine waren guter Laune. Zwar hatte man noch keine Gelegenheit gefunden, einen "Stellwerksfritzen" zu ärgern, aber der Heizer kannte einige gute Witze und so wurde die Fahrt recht lustig.

Der Webmaster Volker Seidel als "Heizerstift" auf der 86 457 im Bahnhof Gefrees. Foto: Sammlung Volker SeidelDa der Zug nicht besonders lang war, hatte die 86er nur wenig Mühe und so erreichte man Selbitz einige Minuten vor Plan. Jedoch dort kehrten die Leute gerade vom Kirchgang zurück. Da man für die Steigung hinter Selbitz viel Dampf brauchte, legte der Heizer mächtig Kohlen auf und so wurde im Führerhaus die Hitze unerträglich. Kurze Zeit später schauten beide aus dem Fenster und während der Heizer seine große Glatze sonnte, bemerkte Lokführer Vogel, wie zwei Mädchen im weißen Sonntagskleid auf der hohen Luftbrücke standen und dauernd kicherten. Nach einigen Minuten standen die beiden immer noch da oben und wurden übermütig.

Durch ein lautes "Rußkäfer" wurde die gutmütige Lokmannschaft aus ihrem Gespräch aufgeschreckt. Als sich der Heizer den beiden auf der Brücke zuwandte, konnte man deutlich hören, wie die eine der anderen zurief: "Der da unten sieht wie ein Rußkäfer mit Glatze aus!" Lokführer und Heizer zogen sich ins Führerhaus zurück. "Blee-da Gaßn!" (dumme Ziegen) war ihr einziger Kommentar. Doch im Führerhaus war es so warm, dass sich beide wieder aus dem Lokfenster lehnten. Dort empfing sie sofort ein gut hörbares "Guck mal, Ruß & Co krabbelt wieder mal aus den Kohlen!" Die Leute auf dem Bahnsteig, die auf den Anschlusszug nach Helmbrechts warteten, lachten und auch die Fahrgäste im Hofer Zug konnten sich das Lachen nicht mehr verbeißen.

Lokführer Vogel merkte, wie langsam seine gute Laune zum Teufel ging. Plötzlich hat er eine gute Idee. Eine unauffällige Handbewegung, und auch der Heizer begann zu grinsen. Bis zur Abfahrt waren es nur noch drei Minuten und bald würde der ganze Bahnhof lachen. Jedoch die Bahnbeamten in Selbitz freuten sich schon auf die Abreibung, die kommen musste, denn sie kannten die Lokmannschaft und wussten, dass die sich das nicht gefallen lassen würden. Endlich, das Ausfahrtsignal ging auf "Freie Fahrt" und das Abfahrtssignal ertönte. Das wäre für die Witzbolde oben auf der Brücke die letzte Gelegenheit gewesen um sich zu verdrücken, aber sie blieben genau über den Gleisen stehen und trieben weiter ihre Späße.

Leise und langsam fuhr der Lokführer an. Dann genau bei der Luftbrücke zog Lokführer Vogel den Regler ganz auf und dank einiger weiterer Schaufeln Kohle schoss ein mächtiger, dreckiger Dampfstrahl in die Höhe und ein zusätzliches Öffnen der Sicherheitsventile, verbunden mit einem Heulkonzert der Dampfpfeife, bewirkte, dass zwei "schwoorza Blee-da Gaßn" kreischend die Brücke verließen, während der Zug nach Hof donnernd in die Steigung einfuhr.

Noch nach Wochen erzählte man sich diese Geschichte in Selbitz und der Umgebung. Jedoch eines war sicher; jahrelang wagte es niemand mehr, von der Luftbrücke aus Lokmannschaften zu ärgern.

Aus: MEC 01 - Ein Verein stellt sich vor - 1977

Unser Foto zeigt eine Lokomotive der Baureihe 86.
(Der MEC 01 Internetredaktuer Volker Seidel als "Heizerstift"
auf der 86 457 im Bahnhof Gefrees. Foto: Sammlung Volker Seidel)

 

Letzte Überarbeitung 20.11.2008
© Volker Seidel, MEC 01 Münchberg e.V.
Bild: Sammlung Volker Seidel

 


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